Amphiprion ocellaris
CUVIER, 1830
Orangeringelfisch

Die ersten Exemplare wurden in Indonesien gesammelt. Danach erfolgte auch, anhand dieser Tiere, die Erstbeschreibung. Man erkennt die Fische am kräftigen Orange mit den drei weißen Binden. Der Mitteistreifen zeigt eine vorwärtszeigende Ausbuchtung (A)!

Die Streifen haben schmale schwarze Ränder. Die maximale Länge von A. ocellaris beträgt 90 mm.
 

Die Andamanen und Nikobaren, die Indo- Malayische Inselwelt, die Philippinen, das nordwestl. Australien sowie die Küste von Südost-Asien nördlich bis zu den Ryukyu Inseln stellen seinen Lebens- raum dar.

Lebensraum

Wirtsanemonen:
A) Stichodactyla gigantea
B) Heteractis magnifica
C) Stichodactyla mertensii

Erfahrungen mit der Nachzucht von Amphiprion ocellaris
Text und Fotos: Jürgen Brei, Marineaquarium Messel






In einem bekannten deutschen aquaristischen Fachmagazin wurde bekanntgegeben, daß die Meeresaquaristik in Deutschland immer mehr Anhanger gewinnt und immer öfter das Verlangen bei den jeweiligen Redaktionen eingeht, aktuelle meeresaquaristische Themen zu veröffentlichen. 
Wenn man diese Entwicklung mit verhaltenem Enthusiasmus zur Kenntnis nimmt, bleiben Hoffnung und Wunsch. Ja, ich möchte sogar als eine wichtige Forderung bewerten, daß sich die Betreiber eines Miniriffs mit äußerstem Engagement bemühen, dieses Stück ,,Natur daheim" zu erhalten und zu vermehren. Nur aus der ernsten Verwirklichung dieser Forderung entstehen tatsächliche Gewinne für das Leben im ,,geschlossenen System" Aquarium sowie für das,,hochempfindliche Ökosystem" Korallenriff. Diejenigen Aquarianer, ob Süß-und/oder Meerwasser-Besessene unter Ihnen liebe Leser, die ihre aquaristische Tätigkeit als (Hobby)-Wissenschaftler betreiben, haben der Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet bereits grosse Dienste geleistet. Bitte hören Sie nicht auf, Ihren Aquarienfreund zu animieren und ihn, mit dem Hinweis auf das außergewöhnliche Erlebnis, zu bitten:,Versuch's doch auch einmal"! 
 
 

Die Zucht





Anemonenfische und ihre Anemonen gehören seit langem mit zu den beliebtesten Aquarienbewohnern. Ihr Symbioseleben mit den z. T. prachtvollen farbigen Anemonen, die schaukelnden Bewegungen sowie ihr ,,clowneskes" Verhalten in ihrem Territorium, machen sie so außerordentlich populär und faszinierend. Im Rahmen dieses kleinen Artikels können nicht alle Anemonenfische und deren Wirte beschrieben werden. Das Ablaich- und Brutpflegeverhalten unter-scheidet sich bei den einzelnen Amphiprion - Arten auch nur geringfügig. 
 
 

Die Auswahl des Zuchtpaares





Das Aussuchen der Tiere für unsere Zucht ist relativ einfach. Sofern wir nicht das Glück haben, ein geschlechtsreifes Paar erwerben zu können. besorgen wir uns von Amphiprion ocellaris ein größeres und ein kleineres Fischchen. Da alle Anemonenfische als Männchen geboren werden, die dominanten und größeren Tiere sich aber zum Weibchen entwickeln, ist bei unserem Auswahlverfahren die Wahrscheinlichkeit, ein später harmonisierendes Pärchen zu besitzen, sehr gut. Zu unserem A. ocelIaris passen viele Wirtsanemonen, z.B. Heteractis magnifica, Stichodactyla gigantea u.a. Ein 200 Liter-Aquarium mit allen bekannten aquaristischen Anforderungen ist für unser Zuchtpaar mit Anemone ausreichend. 
Junge Tiere werden nach ca. 1 - 11/2 Jahren geschlechtsreif. Bei bereits erwachsenen Amphiprion vergehen nach meinen Beobachtungen bis zu den ersten Ablaichvorbereitungen unter guten Bedingungen etwa 4-6 Monate. In dieser Zeit müssen die Tiere bestens mit einem abwechslungsreichen Menüplan bekannter Frostfuttersorten versorgt werden. 
Da das Eltern-Ablaichbecken natürlich mit Filterung, Bodengrund und Strömung normal ausgestattet ist, das aber den Jungfischen ganz und gar nicht zuträglich ist (die Brut vonA. ocellaris verträgt keinerlei Wasserströmung), muß ein sog. Schlüpfbecken mit einem Volumen von ca. 100 Liter vorbereitet werden. Dieses enthält zunächst gar nichts, außer einer entsprechenden Heizung und Licht (über eine Schaltuhr gesteuert). Die Möglichkeit, das Becken komplett rundherum abzudunkeln, z.B. mit schwarzem Fotokarton o. ä. brauchen wir ebenfalls. Desweiteren einen Ausströmerstein mit Schlauch und eine kleine Membranpumpe. 
 
 

Die Kultur von Phyto- und Zooplankton





Gute Amphiprion-Zuchtpaare laichen über längere Zeit im 10-14 Tage-Rhythmus ab. Zur Fütterung der Jungfische werden während der ersten 6-10 Tage nicht unerhebliche Mengen Plankton gebraucht. Das Phytoplankton (grünes Wasser) besteht aus der winzigen einzelligen Dunaliella-Alge. Dieses Plankton wird von den ebenfalls winzigen Zooplankton-Organismen Brachionus gefressen, und von ihnen wiederum ernähren sich unsere geschlüpften Anemonenfische, bis sie in der Lage sind, Artemianauplien zu verdauen. 
Die Schwierigkeit mit den Planktonkulturen besteht zu Beginn darin, zum richtigen Zeitpunkt die Kulturen in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben. Aber das ist alles Übungssache. Ein entscheidender Faktor beim Phytoplankton ist das Licht. Dauerlicht (24 h) mit einem Tageslichtspektrum z.B. OSRAM-Leuchtstoffröhren Lichtfarbe 11 oder 12. Auch HQL-Strahler sind gut geeignet. Für ein ca. 5 DM-Stück großes Gelege, welches etwa 200 - 300 Jungfische enthalten kann, werden in den genannten ersten 6 - 10 Tagen zwischen 40 - 60 Liter Plankton von jeder Sorte benötigt. Tägliche Planktonzugabe (Brachionus) ins Aufzuchtbecken ca. 3 x 2 Liter je nach Larvendichte. Die Tiere müssen praktisch immer im Futter stehen. Entsprechende Glasbehälter mit o.g. Volumen sollten Sie für die Kultur zur Verfügung haben. Planktonansätze (jeweils 1 Liter) reichen zu Beginn aus; allerdings sind diese Ansätze nicht immer so einfach zu beschaffen. Entsprechende Anfragen im Zoofachhandel, bei Züchtem oder Zoos werden nötig sein. Sollten Ihre Bemühungen ohne Erfolg bleiben, würde ich selbst versuchen, Ihnen liebe Leser/innen behilflich zu sein. 
 
 

Folgende Praktik der Planktonkultur hat sich bei mir bewährt





Vier Ganzglasbecken mit den Maßen 60 x 40 x 40 cm werden etwa 10 cm hoch mit Meerwasser doppelten Salzgehaltes gefüllt, mit 1 Liter Algenkultur versetzt und mit einem 80 Watt/HQL-Strahler 24 Stunden beleuchtet. Bei diesem hohen Salzgehalt stirbt alles Zooplankton ab, während sich das Phytoplankton weiterentwickelt. Nachdem diese Kultur nach etwa einer Woche eine hellgrüne Farbe entwickelt hat (26° - 30° C) wird das Becken mit Süßwasser aufgefüllt, bis ein normaler Salzgehalt erreicht ist. Nun leicht belüften. Hat durch weitere Entwicklung die Kultur eine sattgrüne Farbe angenommen, wird der Ansatz Zooplankton zugegeben. Das Zooplankton (Brachionus) vermehrt sich in wenigen Tagen zu einer hohen Dichte und kann dann z.B. mit einem Meßbecher zum Verfüttern entnommen werden. 
 
 


Amphiprion ocellaris: Hier hier sieht man die Elterntiere am frischen Gelege 
 

Wann ist es soweit





Gute Aquarianer/innen sind auch gute Beobachter/innen! 
So werden Sie schnell am Verhalten Ihrer Fischchen merken, daß ,,etwas im Busch" ist. Stundenlang und gründlich wird der ausgesuchte Ablaichplatz meist von beiden Partnern geputzt, bis sich dann beim Weibchen die Legeröhre zeigt und sie gleitend nach und nach die Eier anheftet. Abwechselnd besamt das Männchen das vorhandene Gelege und das Weibchen legt wieder neue Eier hinzu. Das erste Gelege kann u.U. relativ klein sein, bis die folgenden dann nach mehreren Bruten einen Durchmesser von 6 - 8 cm erreichen werden. 
Mein Tip: Nehmen Sie das erste Gelege nicht heraus. Benutzen Sie dieses, um Erfahrung zu sammeln; d.h. beobachten Sie, wie die Eltern damit umgehen, wie die Embryonen sich in welchem Zeitrahmen entwickeln, wann die Augen zu sehen sind und wie ihre Bewegungen kurz vor dem Schlupf immer deutlicher und heftiger werden. Notieren Sie alles! Damit Sie bei späteren Gelegen auch in der Lage sind, diese in das vorbereitete Schlupfbecken zu überführen, stellen Sie einen flachen Stein, Platte oder Fliesenstück vor die erste Ablaichstelle. Meistens nehmen die Fische ihren Wunsch darauf abzulaichen an und Sie haben beim Umsetzen dann keine Probleme. 
 
 

Jetzt wird es spannend





Die zweite Laichabgabe prangt wunschgemäß und lachsrot, 5 cm im Durchmesser auf der bereitgestellten Küchenfliese. Schließlich haben wir ja die Erziehung im Griff. Nach 8-9 Tagen (27° C) guter Pflege der Elterntiere wird es soweit sein. Die kleinen Fischchen werden in der kommenden Nacht ca. 2 - 3 Stunden nach völliger Verdunkelung des Beckens schlüpfen. 
Vorher jedoch füllen Sie aus dem Ablaichaquarium so viel Wasser in das Schlüpfaquarium, daß sich das Gelege mit der Platte senkrecht stehend unter Wasser befinden wird. Vorsichtig muß nun das Gelege ohne Luftkontakt, am besten in einem entsprechenden Behälter (Becher der mit dem gleichen Wasser gefüllt ist), vom Ablaichbecken in das Schlupfbecken überführt werden. Danach versorgen Sie behutsam die Embryos mit Sauerstoff und zwar so, daß die Luftströmung dicht am Gelege vorbeiführt, dieses aber nicht berührt. Diese Sauerstoffversorgung verbleibt dann auch für die nächsten 4 - 6 Wochen grobperlig im Aufzuchtbecken. 
Bitte installieren Sie an diesem Aquarium keine weitere Wasserbewegung und auch keinen Filter. 
Nun geben Sie noch, bevor das Becken abgedunkelt wird, aus ihren Planktonkulturen je 1 Liter langsam in das Schlupfbecken. In der kommenden Nacht muß unbedingt jede Störung an diesem Aquarium unterbleiben. Seien Sie geduldig bis zum anderen Morgen. Schauen Sie bitte nicht neugierig nach, ob evtl. schon ein paar Fischchen schwimmen. Nach meinen Erfahrungen schlüpfen dann die Tiere gar nicht oder nur teilweise und der Rest des Geleges verpilzt. 
Mein Tip: Errechnen Sie ungefähr die Schlüpfzeit (2-3 Stunden nach völliger Dunkelheit). Geben Sie aus Sicherheit noch 2 Stunden dazu und schalten Sie dann für etwa 1 Stunde über die vorbereitete Schaltuhr das Licht ein. Dadurch wird erreicht, daß für die Jungen die Nacht ohne Futter nicht zu lang wird; denn gefressen wird bei diesen Fischen nur bei Licht. 
 
 

Ein überwältigender Anblick





Spätestens morgens um 7.00 Uhr sollten Sie dann Gewehr bei Fuß stehen, um für Futtemachschub sorgen zu können. Ich gehöre, liebe Leser, mit meinen menschlichen Gepflogenheiten beileibe nicht zu den Frühaufstehern. Jedoch mit der Erwartungshaltung 200, 300 oder gar 400 kleine Anemonenfischchen in Augenschein nehmen zu können, trieb es mich immer wieder herzklopfend zu früher Zeit aus dem Bett, noch bevor die eingestellte Lichtschaltuhr ihren Dienst aufnehmen konnte. Wer diesen Moment jemals genießen durfte weiß, daß man so einen überwältigenden Anblick von mehreren hundert Jungfischen nicht beschreiben kann. Dieses einmalige Gefühl und Erlebnis wünsche ich Ihnen allen, liebe Leser. 
 
 

Pflege und Versorgung unserer Jungfische





In den folgenden Tagen und Wochen werden die täglichen Arbeiten zur Routine. Je nach Larvendichte ca. 6 Liter Plankton täglich zugeben. Jeden Abend mit einem dünnen Luftschlauch Mulm sowie Futterreste und leider auch tote Fischchen absaugen. Das abgesaugte Wasser tröpfchenweise mit Altwasser aus dem Elterubecken wieder ersetzen. Bitte jeden Tag - ohne Ausnahme! Eine wichtige Versorgungs- und Erfolgsmaßnahme besteht darin, die Planktonkulturen immer auf dem Qualitätshöchststand zu halten. Meistens ab dem 9. oder 10. Tag wurden von mir bei der Fischfütterung geringe Mengen frisch geschlüpfte, vitaminisierte Artemien zugegeben. Sie sollten die Fische genau beobachten. Erst wenn alle Jungfische Artemien aufnehmen, kann langsam nach und nach das Planktonfutter abgesetzt werden. Unter größter Sorgfalt müssen die frischen Artemien von ihren Eischalen getrennt (ausgesiebt) werden. Die Artemia-Kultur dürfte jedem engagierten Züchter bekannt sein. Junge Amphiprion gehen unweigerlich an Verstopfung zugrunde, sollten sie versehentlich nicht entfernte Artemia-Eischalen fressen. 
Um den Speiseplan für unsere Kleinen zu erweitern, geben Sie bei der Fütterung 1 x täglich Staubfutter mit auf die Wasserobeffläche. Zu diesem Zeitpunkt kann ein kleiner Innenfilter mit Schaumstoffpatrone eingesetzt werden. Die Fischchen nehmen jetzt auch die Körperfarben ihrer jeweiligen Art an. Bei Amphiprion ocellaris entsteht das wunderschöne Orange. Auch zeigen sie schon im freien Wasser stehend ihre charakteristischen Schaukelbewegungen. 
So macht es täglich immer mehr Freude, das Heranwachsen der kleinen Clowne zu verfolgen. Sind 3-4 Monate vergangen, sollte zu ihrer besseren Weiterentwicklung der Umzug in ein größeres Aquarium stattfinden. Anemonen können dann mit Einzug halten, müssen es aber nicht - obwohl es ein Vergnügen besonderer Art ist, die kleinen ,,Orangeringelchen" in einer weißen Anemone ,,surfen" zu sehen. 
 
 

Gönnen Sie sich dieses Erlebnis!
 


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